Sprungziele
Inhalt

Wärmeversorgung

Unter Wärmeversorgung versteht man üblicherweise die Lieferung von zentral erzeugter Wärme zur Versorgung von Gebäuden mit Raumwärme und Warmwasser. Sie unterscheidet sich damit von individuellen Heizungsanlagen, mit denen dezentral Wärme für einzelne Gebäude erzeugt wird.

Auch die Stadtwerke Büdingen sind in diesem Feld aktiv. So wurde bis zur Aufgabe der Armstrong-Kaserne durch die Amerikaner diese von den Stadtwerken mit Wärme beliefert. Aktuell prüfen die Stadtwerke, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Energieträgern eine Nahwärmeversorgung für anstehende Baugebiete möglich und sinnvoll wäre. Konkret sind dies zurzeit die geplanten Baugebiete „Eichmorgen“ in Düdelsheim und „Vorm Weides“ in Eckartshausen. Ziel ist eine nachhaltige und klimaschonende Wärmeversorgung mit Einsatz von möglichst regenerativen Energien wie Holz, Solarthermie oder Geothermie.

In diesem Zusammenhang steht auch eine Erdwärme-Erkundungsbohrung, die voraussichtlich ab dem 16. September 2021 in unmittelbarer Nähe des zukünftigen Baugebietes in Düdelsheim durch die LEA LandesEnergieAgentur Hessen niedergebracht werden soll. Die Bohrung ist Teil eines vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen beauftragten Projektes und soll in insgesamt 17 hessischen Kommunen Erkenntnisse über das nutzbare Erdwärmepotential liefern. Diese werden anschließend Kommunen sowie Bauherrinnen und Bauherren als Planungsgrundlage für mögliche Geothermieprojekte zur Verfügung gestellt.

Was ist Erdwärme?

Die im Erdinneren gespeicherte Wärme, auch Geothermie genannt, kann zum Heizen und Kühlen von Gebäuden, für die Warmwasserbereitung und Stromerzeugung genutzt werden. Die Wärme kommt aus dem Erdkern. Nach heutigen Erkenntnissen ist es dort heißer als 5.000 Grad Celsius. Die Temperatur im Boden steigt mit zunehmender Tiefe an: in Deutschland um etwa drei Grad Celsius pro 100 Meter. Nutzt man die Wärme aus maximal 400 Metern Tiefe, spricht man von oberflächennaher Geothermie. Sie grenzt sich von der tiefen Geothermie ab, die bis zu mehrere Kilometer in die Erde vordringt.
Die Wärme des Erdinneren ist praktisch unerschöpflich. Erdwärme zählt daher zu den erneuerbaren Energien. Die Nutzung von Erdwärme zum Heizen und Kühlen von Gebäuden ist ganzjährig, nachhaltig und effizient. Die Landesregierung fördert daher ihre Nutzung.

Wie kann Erdwärme in Gebäuden genutzt werden?

Die Erdwärme muss zunächst an die Oberfläche transportiert werden. Weit verbreitet sind dazu Erdwärmesonden. Sie werden mit Hilfe einer Bohranlage meist bis zu 100 Meter tief in die Erde eingelassen. In ihnen zirkuliert eine Trägerflüssigkeit, die sich unterirdisch erwärmt.
Wärmepumpen im Gebäude erhöhen anschließend die Temperatur noch weiter, um sie für die Heizungen und das Warmwasser nutzbar zu machen. Für jede Kilowattstunde Strom, die die Wärmepumpe benötigt, werden bis zu sechs Kilowattstunden Wärme erzeugt. Mit Hilfe der Erdwärmesonde kann zudem im Sommer gekühlt werden, da die Temperatur in 100 Metern Tiefe ca. 12 Grad Celsius beträgt.

Wie verläuft die Bohrung?

Ein Bohrgerät wird mit einem Tieflader angeliefert und positioniert. Ein Bohrmeißel an der Spitze des Bohrgestänges arbeitet sich dann bis auf eine Tiefe von 100 Meter vor. In der Bergmannsprache nennt man dies „abteufen“. Das dadurch gelöste Gesteinsmaterial wird mit Wasser nach oben aus dem Bohrloch befördert. Dabei werden kontinuierlich Gesteinsproben zur geologischen Beschreibung entnommen.


Nachdem die geplante Bohrtiefe erreicht ist, wird das Bohrgestänge ausgebaut. Danach wird eine Erdwärmesonde in das Bohrloch eingelassen. Sie besteht aus zwei U-förmigen Kunststoffrohren. Das Bohrloch wird anschließend mit einer Zement-Bentonit-Suspension verfüllt. Dies ist erforderlich, um die Erdwärmesonde mit dem umgebenden Gestein fest zu verbinden. Damit wird ein hoher Wärmeaustausch zwischen Sonde und Erdreich erreicht. Zudem wird das Bohrloch gegen grundwasserführende Schichten abgedichtet.

Was kommt dann?

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) untersucht die Gesteinsproben. Eine Fachfirma führt ein bis zwei Wochen nach Einbau der Erdwärmesonde einen sogenannten „Thermal-Response-Test“ (TRT) durch. Dafür wird die Erdwärmesonde an eine Versuchsanlage angeschlossen. Mit dem TRT wird die Wärmeleitfähigkeit des Untergrundes bestimmt. Ergänzend wird in der Erdwärmesonde die Temperatur des Untergrundes ermittelt.

In einem Steckbrief fasst das HLNUG die Ergebnisse zusammen und veröffentlicht sie auf seiner Webseite (www.hlnug.de). Auf Grundlage des Steckbriefs können Bauwillige, Kommunen, Bohrfirmen und Energieversorger zuverlässig die richtige Dimensionierung von Erdwärmesonden sowie die Bohr- und Ausbauarbeiten planen. Die im Neubaugebiet „Eichmorgen“ installierte Erdwärmesonde kann nach Abschluss der Tests von der Kommune zur nachhaltigen Wärmegewinnung genutzt werden.

Hintergründe zum Projekt

Die LEA LandesEnergieAgentur Hessen führt im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) von 2021 bis 2022 in insgesamt 17 hessischen Kommunen oberflächennahe Erkundungsbohrungen durch. Fachtechnisch begleitet wird sie vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).

In diesen Kommunen werden Erkundungsbohrungen durchgeführt: Alsfeld, Büdingen-Düdelsheim, Frankenberg (Eder), Frankfurt, Groß-Gerau, Habichtswald, Hofheim-Wallau, Homberg (Efze), Langgöns-Dornholzhausen, Offenbach, Pohlheim, Riedstadt-Goddelau, Solms, Stockstadt am Rhein, Twistetal, Vellmar und Waldeck.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter

https://www.lea-hessen.de/kommunen/geothermie-potenziale-erkunden/

Pressemitteilung der Stadtwerke Büdingen vom 13.09.2021

Ermittlung des Erdwärmepotenzials in Büdingen-Düdelsheim
Erkundungsbohrung im Neubaugebiet „Eichmorgen“ soll die Planung von Geothermieanlagen in der Region erleichtern


Büdingen, 13.09.2021
Voraussichtlich ab dem 16.09.2021 erfolgt im Büdinger Stadtteil Düdelsheim in unmittelbarer Nähe des geplanten Baugebietes „Eichmorgen“ eine oberflächennahe Erkundungsbohrung bis in eine Tiefe von 100 Metern. Die Bohrung ist Teil eines Projektes der LEA LandesEnergieAgentur Hessen, die im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) in den Jahren 2021 und 2022 in insgesamt 17 hessischen Kommunen entsprechende Bohrungen durchführen wird. Aus den gewonnenen Daten ermittelt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) das nutzbare Erdwärmepotential. Die Ergebnisse werden im Anschluss veröffentlicht und sollen Kommunen sowie privaten Bauherrinnen und Bauherren als Planungsgrundlage für Geothermieanlagen dienen.
Im Jahr 2020 hatte die Stadt Büdingen ihr Interesse bekundet, Teil des Projektes zu werden. Schließlich prüft die Stadt gemeinsam mit den Stadtwerken Büdingen, ob nicht für das Düdelsheimer Baugebiet, wie auch für das Baugebiet „Vorm Weides“ in Eckartshausen, eine zentrale Nahwärmeversorgung unter Nutzung regenerativer Energiequellen realisiert werden könnte. Neben Holz und Solarthermie könnte auch Geothermie eine Option für eine nachhaltige und klimaschonende Wärmeerzeugung sein. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in die weiteren Überlegungen einbezogen werden.
Gerne können Interessierte die Baustelle oberhalb der Straße „Am Kraftenborn“ besuchen und sich ein Bild von den Bohrarbeiten machen. Gleichartige Bohrungen werden durchgeführt, wenn ein Gebäude mit Energie aus Erdwärme versorgt werden soll.